Sympathische Stachelritter

Themen: Igel
Igel. Foto: GPP/Welzhofer.

Damit Igel ihre natürlichen und vom Menschen angebotenen Nahrungsquellen ungehindert und sicher erreichen können, ist eine gewisse Barrierefreiheit des Gartens notwendig. Foto: GPP/Welzhofer

Igel sind Gartenbesitzers Liebling. Ein jeder von ihnen freut sich darüber, sie im Garten zu haben - als Sympathieträger, als Schneckenverzehrer. Wie wirksam aber beseitigen Igel Schnecken tatsächlich?

Christine Welzhofer, Herstellerin von Wildtiernahrung aus dem bayerischen Gessertshausen, räumt mit einem Vorurteil auf: „Igel sind nicht die viel gepriesenen Schnecken-Fressmaschinen, als die sie häufig dargestellt werden. Wissenschaftliche Untersuchungen über ihr Nahrungsspektrum weisen das aus: Zu etwa einem Drittel besteht ihr natürlicher Speiseplan aus Regenwürmern, zu bis zu zwei Dritteln aus Insekten, Kerbtieren, Kleinsäugern, Vogeleiern und Jungvögeln - und eben Schnecken. Diese machen nur etwa zehn Prozent der Igelnahrung aus.

Zudem haben die Tiere offenbar geschmackliche Vorlieben. Die Nacktschnecken Tigerschnegel (Limax maximus), Boden-Kielschnegel (Tandonia budapestensis) und jüngere Exemplare der Gartenwegschnecke (Arion hortensis) verspeisen sie gerne, Wegschnecken (Arion) umgehen sie eher. Allerdings ist der Igel hierzulande das einzige Säugetier, das ausgewachsene Kapuzinerschnecken (Arion vulgaris) - auch Spanische Wegschnecke genannt - frisst. Bis zu einer halben Stunde dauert es aber, bis sie sie vor dem Verzehr fein säuberlich entschleimt haben."

Igel und ihr Nachwuchs

Rund 200 Gramm Nahrung nimmt ein Igel von April bis Oktober tagtäglich auf. Die Saison ist kurz, und vor dem Winterschlaf soll Speck auf die Rippen. Auch die Fortpflanzung muss zwischen Mai bis September erledigt sein. Etwa fünf bis acht Junge umfasst ein Igelwurf und es sind speziell die kleinen Septemberigel, welche die kritische Gewichtsmarke von mindestens 600 Gramm Körpergewicht vor Wintereinbruch oft noch nicht erreicht haben.

Ausgewachsene Igel müssen mindestens 1.000 Gramm auf die Waage bringen, um die kalte Jahreszeit unbeschadet überleben zu können. Unterernährte Herbstigel sind gefährdet, im Winterschlaf zu verhungern. Welzhofer: „Von sieben Jungigeln überleben den Winter wegen Nahrungsmangel meist nur zwei. Wer also im Herbst untergewichtige Igel findet und sich im Internet informiert (z.B. via pro-igel.de), wird dort angewiesen, wie er die Tiere zuverlässig aufpäppelt und sie ziemlich sicher über den Winter bringt."

Überlebenshilfen

Igel. Foto: GPP/WelzhoferHierzulande gilt der Igel als ein Symboltier des naturnahen Gartens. Im Englischen heißt er übrigens „hedgehogs", zu Deutsch: „Heckenschweine". Das verweist auf ihre Angewohnheit, ihren hauptsächlichen Lebensbereich auf der Suche nach Futter grunzend und schmatzend zu durchstöbern.

Es sind aber genau diese üppigen Heckenareale am Waldrand, in der Landschaft und in der eigenen Gartennachbarschaft, die aus Gründen der „Pflegeleichtigkeit" immer weniger werden: keine Reisighaufen mehr, unter denen die Säugetiere ihre Jungen sicher gebären können und wo hinein sie sich zum Winterschlaf zurückziehen könnten. Keine dicken Laubschichten, die sie mit ihrem rüsselspitzen Schnäutzchen nach für sie leckeren Viechereien durchstöbern könnten.

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Igel im Garten richtig unterstützen

Eine Zufütterung durch den Menschen bedeutet Ernährungssicherheit und wird von vielen wilden Gartentieren zunehmend häufig gebraucht. Sie sollte allerdings nur eine Ergänzung zu natürlichen Futterquellen sein.

„Igel und Eichhörnchen mit artgerechtem Spezialfutter zu unterstützen, so wie das bei Gartenvögeln längst Gang und Gäbe ist, hat für Mensch und Tier wechselseitige Vorteile: Freude am Tier und Schneckenvertilgung als Plus für den Menschen, sicherere Ernährungslage und sogar Überlebenshilfe auf der Seite der Igel", so Welzhofer.

„Für Igel geeignetes Mischfutter aus dem Fachhandel - sei es für die unterstützende Zufütterung oder zum Aufpäppeln von schwachen Tieren und September-Spätlingen - enthalten im wesentlichen Getreide, Honig, Nüsse, Mineralstoffe, Insekten, Weich- und Krebstiere sowie Früchte." Auch rät Welzhofer dazu, zusätzlich Feuchtnahrung (wahlweise Katzenfutter) anzubieten sowie den Tieren im Garten abends einen Napf mit Wasser bereit zu stellen. Das ist besonders an heißen Sommertagen, wenn es lange nicht geregnet hat, entscheidend.

Den Garten igelfreundlich gestalten

Welzhofer: "Wichtig ist es auch, eine gewisse Barrierefreiheit des Gartens sicher zu stellen, damit Igel sich ihre natürlichen und vom Menschen angebotenen Nahrungsquellen ungehindert und sicher erschließen können. So sollen Zäune es zulassen, dass sie unter ihnen hindurch schlüpfen können, Gartenteiche so gestaltet sein, dass hineingefallene Tiere sich an flachen Stellen eigenständig aus ihnen retten können und Kellerschächte und andere tückische Fallgruben igelsicher abdeckt werden."

Auch hilft es den Tieren, ihnen an einem geschützten Gartenplatz ein Igel-Haus als Unterschlupf und Überwinterungsstätte anzubieten. Denn es gibt einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmangel und dem winterlichen Kältetod der Igel, weiß Christine Welzhofer: „Sind die Nahrungsquellen knapp, sind die Gartentiere bis in den November hinein auf Futtersuche. Dadurch verlieren sie wertvolle Zeit für den jetzt eigentlich längst erforderlichen Nestbau. Wird das Winterquartier aber aus Zeitmangel zu wenig gepolstert, erfrieren viele Igel deswegen in der Frostperiode."
Quelle: GPP


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