Grüner Daumen trifft Grüne Mamba: Traumberuf Zoogärtner

Tropenfeeling

Die Vogelhallen im Frankfurter Zoo sind auch bei schlechtem Wetter ein angenehmer und attraktiver Arbeitsplatz. Der Zoo bietet eine große Artenvielfalt auch in Grün: Vom Gummibaum bis zum Kaktus, vom Steckling bis zum Gewächshausriesen reicht das Sortiment. Fotos: GMH/Schacht

Die Grüne Mamba hat sich zum Verdauungsschläfchen in die Krone einer Birkenfeige (Ficus benjamini) zurückgezogen. An den Harry-Potter-Beschwörungsversuchen der jungen Zoobesucher vor der Glasscheibe, direkt vor ihrer Nase, ist sie sichtlich uninteressiert.

Umso interessierter ist Sylvia Theiß an der Schlange und an ihrem Hochsitz: Die Zoogärtnerin freut sich, wie gut die Birkenfeige das Gewicht der vielbestaunten Terrariumsbewohnerin trägt.

Tiergerechte Pflanzen

„Normalerweise sollen Benjaminis ja buschig-kompakt aussehen, deshalb werden in Zierpflanzenbetrieben meist mehrere Stecklinge in einen Topf gesetzt, die dann ein bis zwei Meter gerade in die Höhe wachsen“, erläutert die gelernte Zierpflanzengärtnerin.

„Aber was ich brauche, sind Bäumchen mit einem festen Stamm, gerne auch mit krummen und schiefen Ästen und auseinanderfallender Krone. Schließlich sollen die Pflanzen in erster Linie tiergerecht sein.“

In den Gewächshäusern der Zoogärtnerei hat sie immer einen Vorrat selbst gezogener Pflanzen. Jede von ihnen sieht ein bisschen anders aus und ist durch gezielten Schnitt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Tierarten abgestimmt. „Und natürlich auch auf die Interessen der Besucher. Deshalb sind die Kronen zum Beispiel an einigen Stellen dicht und anderen licht, damit man die Tiere auch mal zu Gesicht bekommt.“

Vom Zierpflanzenbau zum Zoo

Sylvia Theiß liebt ihren Beruf, das ist nicht zu übersehen. Zu jedem Gehege und jeder Voliere fällt ihr eine Geschichte ein. Kein Wunder, es ist nun schon mehr als 25 Jahre her, seit sie ihre Stelle beim Zoo Frankfurt antrat – und erst mal staunte.

„Mein Handwerkszeug habe ich mir in der Ausbildung zur Zierpflanzengärtnerin erworben, aber hier hat sich mein Wissen unheimlich erweitert. Wir kultivieren hier zum Beispiel viele Pflanzenarten, die man im normalen Blumenhandel früher gar nicht bekam und auch heute über Spezialitätengärtnereien beziehen müsste.

Und ich habe hier extrem viele Freiheiten, denn die großen Anlagen werden zwar von beauftragten Planungsbüros entworfen, aber die Gehege und Volieren in den Tierhäusern gestalte ich meistens selbst – natürlich in enger Abstimmung mit den Kuratoren, also den Zoologen, die für das Konzept und die Gesamtbetreuung der Tiere zuständig sind.“

Jedes Tier ist eine Persönlichkeit

An andere Dinge musste sich die sympathische Gärtnerin erst einmal gewöhnen. Heute weiß sie, wo sie damit rechnen muss, dass plötzlich Affenhände durchs Gitter greifen oder Vögel zum Landeanflug auf ihren Kopf ansetzen: Und sie weiß mittlerweile auch, dass zum Beispiel Alpinien (Alpinia) im Tigergehege kein langes Leben beschieden ist, weil sich die sonst so respekteinflößenden Raubkatzen lustvoll-verspielt in den Ingwergewächsen wälzen.

„Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Geschichte und tickt anders. Experimentierfreude und Improvisationsgeschick gehören hier zum Berufsbild des Gärtners“, fasst Theiß zusammen, der die tierischen Zoobewohner längst genauso ans Herz gewachsen sind wie ihre grünen Schützlinge. Wenn die von ihr gestalteten Häuser dann selbst betont coolen Jugendlichen Ausrufe wie „boah, hier sieht's ja aus wie im Dschungel!“ entlocken, wird klar: Sylvia Theiß hat ihren Traumberuf gefunden.

GMH

Berufstipp Gärtner: Grün, kreativ, abwechslungsreich

Mit sieben Fachrichtungen ist der Beruf Gärtner so vielseitig wie kaum ein anderer. Er bietet auch nach der Ausbildung zahlreiche Möglichkeiten, die Karriere voranzutreiben, sich weiterzubilden oder zu spezialisieren.

Die Bandbreite reicht von der Meisterschulung über die Fortbildung zum Techniker bis zum Fachagrarwirt, beispielsweise für Greenkeeper oder für Baumpflege und Baumsanierung.

Auch ein Gartenbau- oder Landschaftsarchitekturstudium ist möglich – mit entsprechend Berufserfahrung sogar ohne Fachhochschulreife. Mehr Infos unter www.beruf-gaertner.de/de/


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