Erster Weltbienentag am 20. Mai 2018 – weltweite Unterstützung für Bienen

Themen: Bienen
Imkerin Zenebech Azefa in einem Menschen für Menschen-Bienenprojekt

Die junge Äthiopierin Zenebech Azefa hat durch ihre Arbeit mit Bienen eine berufliche Perspektive bekommen. Foto: obs/Die Stiftung Menschen für Menschen/R.Kwiothek/Menschen für Menschen

Die Initiative für den Weltbienentag ging von Slowenien aus, das im Insektenschutz schon lange ein Vorbild ist: Im Dezember 2017 hat die UN-Vollversammlung entschieden, zukünftig mit dem Weltbienentag am 20. Mai auf die Gefährdung der Bienen hinzuweisen.

Mit diesem Tag soll das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen und somit auch für den Bienenschutz geschärft werden. Würde es keine Bienen mehr geben, gäbe es viele Nahrungsmittel nicht mehr - oder Menschen müssten wie in manchen Obstplantagen in China, in mühevoller Arbeit Obstbaumblüten von Hand bestäuben.

Bienen - auf vielfältige Weise bedroht

Die SDW (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) ist eine der ältesten deutschen Umweltschutzorganisationen. Anlässlich des Weltbienentages weist sie darauf hin, dass die Anzahl der Bienen seit 2000 stark zurückgegangen ist und ganze Bienenvölker verlorengegangen sind. Zu den Gründen dafür gehören unter anderem die intensive Landwirtschaft, Futtermangel durch fehlende Artenvielfalt und invasive Arten wie zum Beispiel die Varroamilbe, die den Bienen stark zugesetzt hat.

Pflanzenvielfalt hilft den Bienen

Zum Weltbienentag ruft die SDW deshalb dazu auf, sich im Bienenschutz zu engagieren. Auch Garten- und Balkonbesitzer können die Ernährungssituation der Bienen deutlich verbessern. Leider liegen bei der Vorgartengestaltung gerade Schotter- und Kiesflächen mit nur wenigen Pflanzen im Trend. Dies reduziert die Möglichkeiten für Bienen, Nahrung zu finden.

Je „wilder“ und vielfältiger Gärten sind, desto besser. Eine gute Hilfe sind bienenfreundliche Pflanzen, zum Beispiel mit einfachen statt gefüllten Blüten. Eine Auswahl von bienenfreundlichen Stauden und Gehölzen, die verteilt über das ganze Jahr blühen, trägt zur Ernährung der Bienen vom Frühjahr bis zum Herbst bei.

» Bienenweide für den Sommer säen

Wildbienen starten schon früh

Auch die Wildbienen sollten nicht vergessen werden. Viele Wildbienen leben solitär und sind emsige Bestäuber, die schon mit der aufgehenden Sonne, bei Temperaturen ab vier Grad Celsius und auch bei leichtem Regen fliegen.

Zahlreiche Wildbienenarten sind durch evolutionäre Entwicklung an bestimmte Blütenformen angepasst und damit auch mit ihrer Bestäubungsleistung auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert. Ihnen kann durch eine große Blütenvielfalt auf Beeten und auf den Rasenflächen geholfen werden.

Kleine Superhelden

Eindrucksvolle Zahlen zeigen, was Bienen leisten:

• Weltweit bestäuben die Bienen über zwei Drittel der wichtigsten Nahrungspflanzen.  Der finanzielle Wert dieser Bestäubungsleistung wird weltweit jährlich auf Hunderte Milliarden von Euro geschätzt. 

• Eine Honigbiene bestäubt täglich bis zu 1000 Blüten. 

• Für ein Kilogramm Honig besuchen die Arbeiterinnen 1,5 Millionen Blüten und fliegen 100.000 Kilometer, umgerechnet 2,5 Mal um die Welt. 

• Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf 50 Quadratkilometer. Das entspricht dem Innenstadtgebiet von Köln.

» Bienen und Blüten - Obst und die Bestäubung


Bienennährgehölze für die Artenvielfalt

Im Zusammenhang mit der Debatte um ein Verbot von Neonicotinoiden, die unter anderem für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden, weist der Bund deutscher Baumschulen (BdB) darauf hin, dass die Pflanzung von Bienennährgehölzen eine wichtige Maßnahme zum Schutz der Bestäuber ist. Ohne Bienengehölze kann es zu einer Mangelernährung kommen, das zu einem erhöhten Winterbienensterben führt.

Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des BdB: "In der Diskussion über das Bienensterben lässt man oft eine einfache und dennoch nachhaltige Lösung wie den Einsatz von Bienennährgehölzen außer Acht. Denn neben bienenfreundlichen Gärten und Wiesen sind Gehölze wie etwa der Feldahorn, Linde, Kastanie, der Apfel- oder Götterbaum, natürliche Nahrungsquellen für Honig- und Wildbienen sowie Hummeln."

Dazu kommt, dass die Pflanzung von Nährgehölzen auch ein wertvoller Beitrag für mehr Biodiversität im urbanen und ländlichen Raum ist, weil diese Nährbäume Schutz und Lebensraum für viele Kleinstlebewesen und verschiedene Vogelarten bieten.

» Pflanzen für Bienen plus Infos zur Bienen-App

Wie Bienen neue Jobs in Äthiopien schaffen

Projekte der Stiftung Menschen für Menschen zeigen, wie Engagement für Bienen eine außerordentlich große und wertvolle Wirkung auch in anderer Hinsicht entfalten kann. Den Grundstein für Menschen für Menschen legte der Schauspieler Karlheinz Böhm (gest. 2014) mit seiner legendären Wette in der Sendung "Wetten, dass ...?".

Die Stiftung leistet seit mittlerweile über 36 Jahren nachhaltige Hilfe zur Selbstentwicklung in Äthiopien. Im Rahmen ländlicher Entwicklungsprojekte verzahnt Menschen für Menschen gemeinsam mit der Bevölkerung Maßnahmen aus den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen. Menschen für Menschen setzt die Maßnahmen mit rund 700 fest angestellten und fast ausschließlich äthiopischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um.

Vielen Schulabgängern fehlen in Äthiopien berufliche Perspektiven. Im Rahmen des Projekts "Grüne Innovationszentren" haben 1.360 Bauern sowie 423 vormals arbeitslose Jugendliche und Frauen Beschäftigung und Einkommen in den Bereichen Honig und Wachs, Gemüse und Obst, Saatgut, Ölsaat und Tiermast erhalten. Zudem erhalten rund 1.500 weitere Menschen in der Region indirekten Nutzen aus dem Projekt. Bienen spielen dabei eine wichtige und interessante Rolle.

» Deutschland summt - Bieneninitiative zum Mitmachen

Start-ups für den Wandel

Das "größte Startup-Unternehmen" im äthiopischen Projektgebiet Dano steht auf einer Lichtung, außerhalb der Kleinstadt Seyo und beschäftigt mehrere hunderttausend fleißige Mitarbeiterinnen. Wer sich ihm nähert, erblickt rund 50 gelbe Holzkisten, aufgereiht auf zwei Etagen eines Holzgerüstes.

Zenebech Azefa ist eine von 17 jungen Frauen und Männern aus Seyo, die im April 2016 mit Unterstützung von Menschen für Menschen eine Imker-Kooperative gegründet haben. Für sie alle ist das der erste richtige Job seit dem Schulabschluss. "Ich hatte nach der Schule versucht, Arbeit als Reinigungskraft zu finden - keine Chance", erzählt Zenebech. "Um wenigstens ein bisschen was zu verdienen, ging ich mit einer Decke auf den Markt und verkaufte Salz und Chilischoten."

Freunde erzählten ihr, dass die Stiftung junge Leute suche, die sich als Imker probieren wollten. Zenebech meldete sich und wurde ausgewählt. "Ich hatte zwar keine Ahnung von Imkerei", sagt Zenebech. "Aber ich kann arbeiten. Und ich wusste: Das ist meine Chance."

Die Imker-Kooperative sichert Arbeitsplätze

Der Schlüssel zum Erfolg sind unterschiedliche Kooperativen. Eine Arbeitsgemeinschaft etwa kauft Bauern Ölsaat ab, um Speiseöl zu produzieren. Andere produzieren Saatgut, betreiben mobile Dreschmaschinen, mit denen sie Bauern die Arbeit vor Ort erleichtern oder stellen Honig her, wie Zenebech Azefa mit der Imkerkooperative. Beratung, Trainings und Maschinen werden von Menschen für Menschen gestellt.

Nach dieser Starthilfe arbeiten die Gemeinschaften auf eigene Rechnung. Die Kooperativen bilden Wertschöpfungsketten. Den Honig verkaufen die Imker/innen an eine weitere Kooperative, die ihn von Wachsresten und anderen Verunreinigungen befreit und an eine dritte Kooperative weiterreicht, die ihn in Gläser abfüllt und etikettiert. Anschließend übernimmt eine vierte Kooperative den Transport zu Händlern in der Region. Die so errichtete Wertschöpfungskette gibt rund sechzig Jugendlichen Arbeit.

Projekte wie das "Grüne Innovationszentrum" mit der Imker-Kooperative bieten Lösungen für zwei der drängendsten Probleme von Entwicklungsländern wie Äthiopien: Sie wirken der hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegen und steigern die Produktivität der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe hat bisher über 11.000 moderne Bienenkästen in Äthiopien verteilt und bietet damit jungen Menschen wie der Imkerin Zenebech Azefa den Start in eine eigene Existenz.

Quellen: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Bund deutscher Baumschulen (BdB), Stiftung Menschen für Menschen
Foto Bieneninfotafeln: Deutsches Baumschulmuseum



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