Der Baum des Jahres 2016

Blüten der Winter-Linde

Die Winter-Linde ist der Baum des Jahres 2016. Ihre Blüten öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen. Fotos: Roloff

Um die große Bedeutung und den Wert von Bäumen hervorzuheben, wird in Deutschland seit 1989 ein Baum des Jahres gewählt und vorgestellt. Der Baum des Jahres 2016 ist die Winter-Linde (Tilia cordata). „Es gibt keinen Baum, der mehr mit der Liebe des Menschen verbunden ist“, so Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Baum des Jahres Stiftung, „und das alleine ist schon eine Kostbarkeit! Linden sind die häufigsten Bäume Deutschlands und Mitteleuropas in Stadt und Landschaft.“ Die Stiftung würdigt mit der Winterlinde ein Gehölz mit den vielfältigsten Verwendungsmöglichkeiten, der höchsten Wertschätzung und der größten Bedeutung in der Mythologie.

Unterschiede zwischen Winter- und Sommer-Linde

Am bekanntesten sind die starkwüchsige Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) und die etwas zierlichere Winter-Linde. Bereits im Jahr 1991 war die Sommer-Linde einer der ersten Bäume des Jahres. Die auch für Nicht-Fachleute auffallendsten Unterschiede zwischen den beiden Arten sind die Wuchshöhe und die Form der Blätter: Die Winter-Linde erreicht nur eine Höhe von etwa 15 bis 25 Metern, Sommer-Linden hingegen können über 40 Meter hoch werden. Ihre großen Blätter und ihr hoher Wuchs geben so viel Schatten, dass diese Art früher häufig an Dorfplätzen oder kultischen Orten gepflanzt wurde.

Deutlich ist auch der Unterschied der Blattform: Die Blätter der Sommer-Linde sind herzförmig und bis zu zwölf Zentimeter lang, die der Winter-Linde im Umriss fast kreisrund. Die Krone der Winter-Linde hat die Form eines Herzens mit der Spitze nach oben und ist ein beliebter Lebensraum von Vögeln, Pilzen und der Laubholzmistel. Mit ihrer leuchtend goldgelben Herbstfärbung ist sie der Schmuck vieler Gärten und Parks.

Vorkommen und Nutzung

Das Heimatareal der Winter-Linde erstreckt sich über fast ganz Europa. Im hohen Norden gibt es sie nicht. Die beiden Linden-„Schwestern“ unterscheiden sich durch ihre Ansprüche an Licht, Wasser, Wärme und Nährstoffe. Grundsätzlich ist die Sommer-Linde die anspruchsvollere.

Der Stamm der Linden kann mehrere Meter dick werden. Eine der wohl stärksten Winter-Linden steht bei Rochlitz (Sachsen).Sie hat einen Stammumfang von etwa neun Metern. Wird eine Winter-Linde gefällt, treibt sie sehr stark aus dem Stock wieder aus. Ihre Blüten öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli und schon von weitem kann man dann ihren charakteristischen Honigduft wahrnehmen.

Linden haben eine hohe Schattentoleranz, die bei der Forstwirtschaft von großer Bedeutung ist, da sie auch unter älteren, großen Bäumen gedeihen. So werden beispielsweise die Stämme von Eichen "ummantelt" und dadurch astfrei gehalten. Das Holz von Winter- und Sommer-Linde lässt sich auf den ersten Blick nicht unterscheiden. Es ist hell, weich, relativ leicht und sehr gut als Schnitzholz geeignet. Darum wurden früher die meisten Altar- und Wandfiguren in Kirchen daraus gefertigt.

Mit dem Leben der Menschen eng verbunden

Als Stadtbaum ist die Linde sehr beliebt. Sie eignet sich für Alleen, Parkplätze, Parks, Promenaden, Fußgängerzonen, Entrees großer Gärten oder als Hausbaum. Dieser Baum ist sehr anspruchslos und tolerant, was den Standort angeht.

Linden haben kaum Krankheiten oder Schäden und erreichen ein hohes Lebensalter (bis zu 1.000 Jahre). Der aus Lindenkronen tropfende Honigtau kann allerding lästig werden. Diese Zuckerwasser-Tröpfchen sind vollkommen unschädlich, machen aber Fahrräder, Autos und Bänke für kurze Zeit klebrig. Der Belag lässt sich jedoch mit Wasser leicht abwaschen.

Begriffe wie Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden sowie ihr Vorkommen in Sagen und Gebräuche zeugen von der jahrhundertelangen großen Bedeutung dieser Bäume in Deutschland. Der häufigste Gasthausname in Deutschland ist mit über 1.000 Nennungen immer noch „Zur Linde“. Auch zahlreiche Orts- und Personennamen gehen auf die Gehölze zurück. Tanzlinden sind etwas besonders Schönes: In die Krone eines Baumes wurde früher häufig ein Tanzboden eingebaut, den man über Treppen oder Leitern erreichte. Besonders schöne Exemplare, in denen auch heute noch gefeiert wird, stehen in Effelder (Thüringen) und Effeltrich (Bayern). In Limmersdorf (Oberfranken) gibt es sogar ein Tanzlindenmuseum.

Die Linde ist auch ein Symbol für eheliche Liebe, Güte, Gastfreundschaft und Bescheidenheit. Diese Bedeutungen sollen unter anderem auf die Erzählung von Philemon und Baucis, Gestalten der griechischen Mythologie, zurückgehen. Das alte Ehepaar wünschte sich nichts mehr als gemeinsam zu sterben, damit keiner von ihnen den Tod des anderen erleben müsse. Zeus erfüllte ihnen diesen Wunsch. Als der Tod zu ihnen kam, verwandelte er die beiden in Bäume: Philemon in eine Eiche und Baucis in eine Linde.
  
Quelle: BdJ/DGS

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