Blütenduft im Mai: Flieder, Blauregen und Co

Am Anfang war der Duft. Während eine Pflanze beim Betreten eines Gartens vielleicht noch gar nicht zu sehen ist, kann man doch manchmal schon ihren Duft wahrnehmen. Duftende Blüten sind eine kluge Strategie von Mutter Natur, denn so können Pflanzen auch unter schwierigen Bedingungen, zum Beispiel in der Dunkelheit, Bestäuber anlocken. Bestäubende Insekten sind für die Erhaltung vieler Pflanzenarten überlebenswichtig. Für den Menschen ist der Blütenduft ein Aspekt, der ein schönes Gehölz oder eine Staude zusätzlich interessant machen kann. Viele Pflanzen, von denen einige schon früher in Bauerngärten wuchsen, verzaubern mit einem Duft, den mancher am liebsten in einem Parfüm einfangen möchte. Noch schöner ist es aber, den Pflanzenduft im eigenen Garten zu erleben und direkt an den Blüten zu schnuppern.

Kein Frühling ohne Flieder

Eine der bekanntesten Duftpflanzen ist der Flieder (Syringa vulgaris und Sorten), der beinahe schon zum deutschen Kulturgut gehört und besonders in ländlichen Gärten häufig zu sehen ist. Er ist eine der typischsten und beliebtesten Frühlingspflanzen. Im 19. Jahrhundert wurde er sehr populär und vor allem in Frankreich, in der Gärtnerei Lemoine in Nancy, entstanden viele neue Sorten. Der Pflanzenzüchter Victor Lemoine war in seinem Heimatland so berühmt, dass ihm dort sogar ein Denkmal errichtet wurde. Die großen Blütenrispen des Flieders, der manchmal auch als Edel-Flieder bezeichnet wird, verströmen einen intensiven Duft. Von reinem Weiß über Rosa bis hin zu dunklem Purpurrot reicht die Palette der Blütenfarben. Der anspruchslose Flieder eignet sich nicht nur für den Einzelstand, er wird auch gerne für Blütenhecken verwendet. Als Alternative zum mehrere Meter hoch werdenden Edel-Flieder können in kleinen Gärten auch Arten gepflanzt werden, die nur etwa einen Meter Höhe erreichen, zum Beispiel der Zwerg-Duftflieder (Syringa meyeri ‘Palibin‘).

Viel Duft und Farbe auf kleiner Fläche

Duftende Kletterpflanzen sind eine gute Lösung, wenn Platz knapp ist. Der Blauregen (Wisteria) benötigt nur wenig Grundfläche und kann viele Meter hoch werden. Er hat schöne gefiederte Blätter und bildet bis zu 50 Zentimeter lange, duftende Blütentrauben, meist in intensiven Blautönen. Es gibt auch Sorten, die rosa oder weiß blühen. Anders als Efeu oder Wilder Wein bildet der Blauregen keine Haftorgane, sondern klettert in der Natur an anderen Pflanzen in die Höhe. Er benötigt darum im Garten eine besonders stabile Kletterhilfe. Weil er sehr kräftig wächst, ist er ideal, um Pergolen oder Laubengänge zu umranken und so einen blühenden und duftenden Baldachin bilden.

Duftgarten für den Balkon

Neben dem Flieder gehört der Lavendel (Lavandula angustifolia und Sorten) wohl zu den bekanntesten Duftpflanzen. In der Provence wird er großflächig zur Parfümherstellung gepflanzt. Neben den zahlreichen Lavendelsorten mit Blüten in schönen Blau-und Violetttönen gibt es auch weiß- oder rosablühende Sorten. Die Höhe dieser Pflanzen variiert ebenfalls und so können zum Beispiel interessante Kombinationen mit Sorten in unterschiedlichen Höhen oder mit verschiedenen Blütenfarben entstehen. Lavendel lässt sich vielseitig verwenden, unter anderem als kontrastreicher Begleiter von Rosen, als niedrige Hecke oder zusammen mit Stauden. Weil Lavendel relativ niedrig bleibt, ist er die ideale Duftpflanze auch für sonnige kleine Gärten. In ein Gefäß gepflanzt, verschönert er den Balkon, die Terrasse oder den Hauseingang.

Fernöstliche Blütenschönheiten 

Auch manche Pfingstrose (Paeonia) duftet angenehm. Am bekanntesten sind jene Pfingstrosen, die als Stauden erhältlich sind, doch es gibt auch Strauch-Pfingstrosen, zum Beispiel Suffruticosa- und Rockii-Sorten. Diese Pflanzen werden zumeist etwa einen bis zwei Meter hoch und öffnen ihre großen, einfachen, halb oder ganz gefüllten Blüten im Mai. Viele beeindrucken sowohl mit schönen, seidig anmutenden Blütenblättern als auch mit intensivem Duft. Das Farbenspektrum umfasst vor allem weiße, rosafarbene und rote Nuancen. Manche Blüten sind mehrfarbig oder weisen sehr schöne Farbverläufe auf. Ursprünglich stammen diese Pflanzen aus China, wo sie schon seit rund 2.000 Jahren in Kultur sind. Dort sind durch intensive Zucht unzählige Sorten entstanden. Immer mehr dieser fernöstlichen Blütenschönheiten wachsen auch in europäischen Gärten. Eine wichtige Voraussetzung für ihr Gedeihen ist ein gut wasserdurchlässiger Boden.

Überraschender Blütenduft

Rhododendren und Azaleen sind den meisten Menschen nicht als Duftpflanzen bekannt. Dabei gibt es eine Azaleenart, die nicht nur mit auffallenden Blüten beeindruckt, sondern auch mit ihrem Duft: Rhododendron luteum, auch als Pontische Azalee bezeichnet. Dieser Zierstrauch hat schöne, leuchtend gelbe Blüten, die einen starken, angenehmen Duft verströmen. Gegen Ende der Gartensaison überrascht diese Azalee nochmal, dann mit einer prachtvollen Herbstfärbung.

So gibt es eine Fülle interessanter Pflanzen, die Duft und Farbe in die Gärten bringen. Nicht alle sind so bekannt wie der Flieder und der Lavendel. Es lohnt sich deshalb, am besten mit fachmännischer Beratung, in Baumschulen, Gartencentern, Gärtnereien und auf Gartenmessen auf Entdeckungsreise zu gehen und so auch die eine oder andere wenig bekannte Duftpflanze für den eigenen Garten zu finden.

PdM


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